Café
Rechnung Milchkaffee in DEM
Silvester 2000
Kant-Café
Der einzige Ort auf dieser Welt, an dem man sein kann.
Obelix würde sagen: Der Rest ist gut für Wildschweine.
Kantstraße 135 (Ecke Schlüterstraße)
10625 Berlin-Charlottenburg
Telefon 0 30 / 3 12 46 79
aktueller Milchkaffeepreis: 2,40 € (Stand: 04.09.2010)
Wandbild im Kant-Café
Titelseite des Buches „Ich, meine Freundin und all diese Männer”, Roman von Binnie Kirshenbaum, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1997
Zimt & Zucker - Wohncafé
Trautenaustr. 12 / Nassauische Str. 58
10717 Berlin-Wilmersdorf
Telefon (030) 28 88 36 10
http://www.zimtundzucker-wohncafe.de/
Um die Ecke...
Kaffee im Kännchen
Ein Sonntagnachmittag im Café, mit Tortenbüffet und Kreuzworträtsel
von Maria Rose, aus: „Der Tagesspiegel”, Berlin, 20.03.1994
Draußen ist es kalt, drinnen ist es warm, einladend und behaglich. Das Café ist ein ordentliches Vorstadtcafé mit großem Tortenbüffet. Am Sonntag nachmittag wird der Kaffee vorzugsweise in Kännchen serviert. Es umfängt den Gast mit jenem unverwechselbaren Duft nach guten Bohnen, den sanften Geräuschen vom Hantieren mit Porzellan und in verhaltenem Ton geführten Gesprächen, mit dem Versprechen einer zutiefst soliden Gemütlichkeit, die sich als einziges Laster den Verstoß gegen alle Kalorien-Limits gestattet. Der wird sozusagen angestrebt, zumindest billigend in Kauf genommen.
Ins Café geht offenkundig jeder. Der Blick von der diskreten Warte eines gepolsterten Armsessels neben einem bedenklich schwer beladenen Kleiderständer vermittelt eine pauschale Übersicht über die gängigen Alters- und Standesgruppen der Gesellschaft, die sich hier zum Verzehr von Konditoreiwaren sowie vorzugsweise heißer Getränke eingefunden haben. Die ganz junge Jugend steht allerdings grundsätzlich auf kalter Cola. Der weibliche Familienvorstand argumentiert ausführlich, mit leicht erhöhter Lautstärke, doch letztlich vergebens, daß zu Obstkuchen mit Marzipan doch viel besser heiße Schokolade passe. Der Nachwuchs bleibt unerbittlich.
Auch Kaffee wird nicht immer heiß getrunken. Am Nebentisch sitzen zwei, die gar nicht zum Essen und Trinken kommen, weil sie sich soviel zu erzählen haben. Das heißt, reden tut eigentlich nur sie. Er sitzt ein bißchen ratlos da, versucht hin und wieder, die Gabel zum Munde zu bringen oder die Tasse zu heben. Doch jedesmal, wenn er es fast geschafft zu haben scheint, hat sie ihn wieder mit einem Satz, einer Wendung, einer Frage – alles kokett und bestimmt mit flinken Gebärden unterstrichen – in ihren Bann gezogen.
Das Paar in mittleren Jahren, am Tisch in der Ecke, wechselt nur wenige Worte miteinander. Beinahe mechanisch greifen die Hände nach den Tassen und nach dem, was auf den Tellern seiner Bestimmung harrt. Für die beiden gibt es im Moment nicht Wichtigeres, als das Kreuzworträtsel zu lösen. Ein ordentliches Café hält seinen Gästen ein ausreichendes Sortiment an gedruckten Periodika bereit. Und da kann es passieren, daß man an eben solch einem Rätsel hängenbleibt. Zum Glück ist da der freundliche Mann am Nebentisch, der weiterhelfen kann, weil er schon hinter sich hat, was diese beiden noch schaffen müssen, um sich nicht nächtens schlaflos zu wälzen. Man bietet einander Zigaretten an – und wäre fast sogar in ein Gespräch geraten, wenn sie nicht ihn plötzlich mit Blick auf die Uhr zum Aufbruch ermahnt hätte.
Das Kommen und Gehen vollzieht sich in durchweg unspektakulärer Weise. Wo eben noch dieser oder jene saß, sitzt nun jemand anderes. Nur gelegentliche Wogen kalter Luft, die trotz Windfangs und roten Vorhanges beim Verlassen oder Betreten des Cafés in den Raum wehen, sind ein untrüglicher Hinweis darauf, daß hier ständige Rotation im Gange ist. Problematisch kann es werden, wenn mehr kommen, als gegangen sind, vorausgesetzt natürlich, es ist so voll wie am Sonntagnachmittag.
Eine Gruppe junger Leute steht suchenden Blicks da. Warum kann, wer schon bezahlt hat, nicht einfach seinen Mantel nehmen und verschwinden? Man zählt und überlegt, hier noch zwei Plätze frei, da drei – ob man vielleicht die zwei halbbesetzten Tische näher zusammenrücken könnte? Die freundliche Serviererin ist hilfsbereit, redet in werbendem Ton auf die Beteiligten ein. Ein kleines bißchen pikiert sind die älteren Herrschaften zwar, geben dann allerdings doch einen Teil der Tafel frei, indem sie Sacher- und Kirschtortenteller beiseite ziehen und Stühle rücken, wobei sie den Umstand, daß die jungen Menschen ihre Lederjacken nicht an den Kleiderständer bringen, sondern achtlos auf die Stuhllehnen packen, mit einem nur mühsam verhohlenen Mißfallen registrieren.
Der alte Mann am kleinen Tisch ganz hinten hat sich so entschieden hinter seiner Zeitung vergraben, daß er, was um ihn herum vorgeht, gar nicht mitbekommt. Mechanisch und ohne hinzusehen, hebt er in Abständen von etwa einer Viertelstunde die Kuchengabel und läßt sie hinter der Zeitung verschwinden. Der Hund, der zu seinen Füßen unter dem Tisch liegt, schläft tief und fest.